Traumaeinteilung nach der Gehirnreife

Hypocampus. (c) pixologic- Depositphotos.comHypocampus. © pixologic- Depositphotos.comTraumata in der vorgeburtlichen Lebensphase betreffen die Zeit im Mutterleib. Der sogenannte Hippokampus beginnt in der 15. Schwangerschaftswoche zu wachsen. Dieser ist nach dem 2. Schwangerschaftsdrittel fertig und funktionstüchtig, aber erst nach dem 24. Lebensmonat nach der Geburt wird diese Region im Gehirn benutzt und mit Erinnerungen gefüllt. Erst dann können wir uns bewusst Erinnern.

Frühe Traumata betreffen die Zeit von der Geburt bis zum 2. Lebensjahr. Quasi die Traumata vor der hippokampalen Reife. Die Erinnerungen dieser Traumata können nicht bewusst erinnert werden, da diese Erinnerungen im Mandelkern eingespeichert werden.

Traumata nach der hippokampalen Reife betreffen die Zeit nach dem 2. Lebensjahr.

Bei frühen Traumata verbleiben alle Erinnerungen im sog. Mandelkern und damit im impliziten Gedächtnis, da der Hippokampus noch nicht funktionstüchtig ist. Alle Traumata können immer und jederzeit angetriggert werden. Gibt es Trauma vor und nach der hippokampalen Reife verknüpft sich das implizit gespeicherte Trauma mit dem späteren Trauma. Frühe Traumata haben kein Wort.

Frühe Traumatisierungen erschüttern eine nicht funktionierende Welt und somit baut sich die Weltsicht über einer Erschütterung auf.

Implizites Gedächtnis

Das implizite Gedächtnis ist der Teil des Gedächtnisses, der sich auf das Erleben und das Verhalten auswirkt, und somit nicht ins Bewusstsein tritt. Ein wichtiger Teil des impliziten Gedächtnisses ist das prozedurale Gedächtnis. Hier sind automatisierte Handlungen gespeichert, wie Radfahren, Schnürsenkel binden sowie gehen usw. Frühe Ängste sind dort abgespeichert und somit nicht bewusst erinnerbar.

Spiegelneuronen

Auf der Basis der Spiegelneurone kann es überhaupt zu einem menschlichen empathischen Kontakt kommen. Darüber sind sich viele Forscher einig, dass emotionales Verstehen nur durch Spiegelneurone möglich ist. Doch nicht nur verstehen durch Sprache ist davon abhängig, sondern auch Körperbewegungen, Gesichtsausdrücke, Mundbewegungen und Blicke. So entwickelt der Körper eine eigene Sprache, die von Spiegelneurone dekodiert werden kann. Somit sind Reaktionsmuster von frühesten Erfahrungen abhängig.

Das erste Stresshormonsystem

Bei Gefahr/Stress sendet eine Gehirnregion, die Amygdala heißt einen Impuls an den Hypothalamus. Das dauert 400 Millisekunden Der Hypothalamus produziert dann das Hormon CRH und aktiviert darüber den Sympathikus. Dieses Hormon aktiviert jetzt das Nebennierenmark, wo Adrenalin und Noradrenalin gebildet und ausgeschüttet wird. Diese beiden Transmitter erhöhen den Puls, Atmung, Blutdruck und den Blutzuckerspiegel. Der Organismus wird auf Kampf oder Flucht eingestellt. Diese Prozesse laufen ohne das Großhirn ab. Die Freeezereaktion des Körpers stellt dann das Ende der Adrenalinausschüttung dar und damit das Ende der Chance auf Rettung.

Endet der Stress, meldet das Gehirn Entwarnung und der Sympathikus beruhigt sich. Dopamin hilft und beruhigt dabei und das Ende des Stresses als Erfolg einzustufen.

Das zweite Stresshormonsystem wird als Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse bezeichnet

Dieses Hormonstresssystem wird unbewusst aktiviert. Gesteuert wird dieses System über den Hypothalamus. Psychische Stressoren aktivieren über die sogenannte limbisch-corticale Schleifen die Amygdala (Mandelkern) und über den Hippokampus den Hypothalamus. Im Hypothalamus wird dann das Hormon CRH gebildet. Ein sogenanntes Peptid-Hormon. Dieses Hormon gelangt über neuronale Netzwerke in die Hypophyse. Im Hypophysenvorderlappen stimuliert das Hormon die Ausschüttung von ACTH. Dieses Hormon stimuliert dann die Nebennierenrinde für die Ausschüttung von Cortisol. Bei weiterer Gefahr wird das Cortisol immer mehr ausgestoßen und es kommt zu beginnender Depersonalisation und Dissoziation. Cortisol löst außerdem eine Reihe von physiologischen Reaktionen aus. Unter anderem die Hemmung von Antikörpern wodurch die Infektabwehr vermindert wird. Danach wird das Beta-Endorphin gebildet welches schmerzstillend wirkt. Dieses Endorphin, welches in der Hypophyse und im Hypothalamus gebildet wird, macht dann die Nahtoderfahrung und die folgende Erschlaffung.

Oxytocin als Antistress-Effekt

Bei Trösten und Beruhigen reguliert die Mutter beim Kind das Oxytocin-Niveau. Ausgeschüttet wird dieses Hormon ebenfalls bei Kontakt mit Kuscheltieren (Übergangsobjekt, Winnicott), angenehme Musik, Körperkontakt, Wärme, angenehmer Duft. Oxytocin beruhigt bei Stress, da es die Cortisolausschüttung verringert.

Was ist Dissoziation?

Dissoziation ist eine Unterbrechung der normalerweise integrativen Funktionen des Bewusstseins, des Gedächtnis, der Identität oder der Wahrnehmung der Umwelt, sowie der Kontrolle von Körperbewegungen

Vorgeburtliche Traumata

Bei frühen Traumatisierungen wird das sich entwickelnde Gehirn mit vielen Reizen überschwemmt. Die Verbindungen zwischen den Nervenzellen reißen ab und somit kommen noch in einigen Nervenzellen Informationen an, können aber nicht gebündelt werden. Es entsteht ein Verlust des zeitlichen Klebstoffes zwischen den Nervenzellen. Es kommt somit zum Zeitachsenverlust. Die nicht traumatischen Erfahrungen werden in den Zellen mit den traumatischen Erinnerungen eingefärbt. In der sensomotorischen Symptomatik liegt dann oft der Hinweis für pränatale oder frühe Traumatisierungen.

Zu den vorgeburtlichen Traumatisierungen können folgende Ereignisse zählen:

Komplikationen in der Schwangerschaft

Seelische Erkrankungen der Mutter

Totgeborener Zwilling

Geburtstraumatisierungen

Sexuelle Misshandlung an der Mutter

Eventuelle Symptome frühgeburtlicher Traumata

Schwindel, Soggefühl, das Gefühl "aufgedunsen zu sein", Platzangst, Panikattacken, Autoimmunerkrankungen (siehe Prof. Schubert; Salzburg), Herzschmerzen.

 

Quellen/Empfehlungen